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Die Mentoring-Partnerschaft Augsburg

Die Mentoring-Partnerschaft unterstützt neu zugewanderte Personen mit ausländischem Berufsabschluss beim Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt. Qualifizierte Migrantinnen und Migranten (Mentees) und etablierte Profis (Mentorinnen und Mentoren) werden dabei für einen festgelegten Zeitraum in eine berufsrelevante Beziehung gebracht. Ziel der Mentoring-Partnerschaft ist es, gemeinsam herauszufinden, wie Mentees ihre Kompetenzen, Qualifizierung und berufliche Erfahrung nutzen können, um in Deutschland eine adäquate Beschäftigung in ihrem Beruf zu finden.

Dieses Jahr feiert die Mentoring-Partnerschaft Augsburg 5-jähriges Jubiläum. Anne, wie seid ihr auf dieses Projekt gekommen? Und wie bist du eigentlich zu MigraNet, dem IQ Landesnetzwerk Bayern, gekommen?

Ursprünglich stammt die Idee des Mentoring-Programms aus Kanada, um genauer zu sein aus Toronto. Das Projekt diente vor Ort als gutes Beispiel für die Arbeitsmarktintegration für Zugewanderte. Durch die transnationale Koordination konnten wir das Projekt näher kennenlernen. Wir haben uns überlegt: Wie kann das Programm in Deutschland funktionieren? Was müssen wir anpassen? Mit wem vor Ort Kontakt aufnehmen? Uns war wichtig, von Beginn an relevante Akteure in und um Augsburg zu kontaktieren und miteinzubeziehen. Mit den Verantwortlichen in Kanada haben wir uns innerhalb der Anfangsphase regelmäßig ausgetauscht. Sie haben uns konkrete Tipps zur Umsetzung gegeben, die sehr hilfreich waren.

Mein erster Kontakt zu Tür an Tür begann ganz klassisch. Ich habe mich auf eine Stelle im Bereich der Anerkennungsberatung beworben. Zu diesem Zeitpunkt war ich neu in Augsburg und suchte nach einem Job in der Migrations- und Integrationsarbeit. Das war 2011. Seit 2013, also gleich zu Beginn, bin ich dann in das Programm Mentoring-Partnerschaft eingestiegen. Die Projektleiterin Sevda Kolkiran hat in dieser Zeit viele Praxisbesuche gemacht, allen voran bei der Wirtschaftskammer Österreich in Wien. Aus dieser Stadt haben wir beispielsweise auch die Idee mit der Auftakt- und Abschlussveranstaltung übernommen. Man sieht: Der Austausch und das Netzwerken war und ist sehr wichtig.

Die Mentoring-Partnerschaft bringt qualifizierte Migrantinnen und Migranten und etablierte Profis aus der Region in eine berufsrelevante Beziehung. Was sind dabei deine konkreten Aufgaben? Wie sieht ein typischer Arbeitsalltag aus?

Je nach Projektphase gestaltet sich der Arbeitsalltag unterschiedlich. Beginnen wir mit dem Start eines neuen Durchgangs: Als erstes möchten wir Mentees finden. Wir stellen das Programm in Sprachschulen vor und die Beraterinnen und Berater von MigraNet akquirieren ebenfalls neue potentielle Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Die Agentur für Arbeit schlägt auch Kundinnen und Kunden das Programm vor.

Der nächste Schritt sind die Auswahlgespräche mit den Mentees. Hier möchten wir die Bewerber kennenlernen und über das Programm informieren. Gleichzeitig überlegen wir auch, in welchem Unternehmen ein passender Mentor sein könnte. Wir gehen dann ganz konkret auf diese zu und fragen direkt an, ob sie sich in der Mentoring-Partnerschaft engagieren möchten. Für kleinere Unternehmen ist diese Entscheidung oftmals schwieriger. Es fehlt an der Zeit und den Ressourcen. Aber ein erster persönlicher Kontakt ist immer hilfreich, um mögliche Fragen zu klären und den Programmablauf ganz genau durchsprechen zu können. Das ist denke ich auch unser Erfolgsrezept: Die persönliche Kontaktaufnahme.

Wenn sich die Mentorinnen und Mentoren dann bewerben, führen wir auch mit ihnen ein Informationsgespräch. Wir möchten dabei sicherstellen, dass die Erwartungen unsererseits und die des Mentors an das Programm übereinstimmen. Dabei sehen wir uns die anonymisierten Kurzprofile der Mentees an, eventuell liegt zu diesem Zeitpunkt bereits ein passendes vor. Wir fokussieren uns auf zwei Fragen: Mit welchen Mentees gibt es eine hohe Übereinstimmung beim beruflichen Profil? Bei welcher Mentorin oder Mentor sind die Erwartungen und Fragen der einzelnen Mentees gut aufgehoben?

Das endgültige Matching übernehmen dann wir, nachdem wir mit allen Beteiligten gesprochen haben. Anschließend werden alle darüber informiert. Auf der offiziellen Auftaktveranstaltung lernen sich die Tandems zum ersten Mal kennen. Das ist immer wieder eine spannende Angelegenheit, die mir sehr viel Spaß macht.

Die Mentees sollen anschließend eine adäquate Beschäftigung finden. Welche Erfahrungen konntet ihr bisher sammeln, was nehmen die Teilnehmenden mit?

Das erste was wir auch schon während der sechs Monate der Programmlaufzeit feststellen: Mentees erhalten endlich Einladungen zu Bewerbungsgesprächen, was vorher meistens nicht der Fall war. Somit ist die erste große Hürde schon mal genommen. Die Mentees bekommen mit der Zeit auch ein besseres Gespür, in welchen Bereichen eine Arbeitsstelle möglich ist. In den Tandems geht es auch ganz konkret um die Chancen auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Dabei wird auch beleuchtet, welche Weiterbildungen oder Qualifizierungsmaßnahmen sinnvoll sind. Die Mentorinnen und Mentoren geben konkrete Tipps für den jeweiligen Beruf. Das ist auch das besondere an dem Programm, dass der Mentor immer eine Person aus dem Berufsfeld des Mentees ist.

Knapp die Hälfte der Mentees findet innerhalb oder kurz nach der Mentoring-Partnerschaft eine Stelle, von der sie sagen: Ja, das ist das, was ich machen möchte und entspricht dem, was ich gelernt habe. Nach der Abschlussbefragung, die ungefähr vier Wochen nach Beendigung des Programms stattfindet, fragen wir solche Dinge gezielt bei unseren Mentees nach.

Letztendlich ist es so: Mit ihrer Mentorin oder ihrem Mentor bilden Mentees das erste Puzzleteil für ein berufliches Netzwerk. Wie viel sie daraus machen, hängt auch immer von den jeweiligen Mentees ab.

Was gefällt dir an deiner Arbeit am besten?

Mir gefällt besonders, dass ich immer wieder neue Berufe kennenlerne. Ob Geograph oder Archäologin – es ist immer wieder spannend, neue Einblicke zu erhalten. Ich informiere mich auch über unterschiedliche Firmen in und um Augsburg und welche Berufsabschlüsse die Mitarbeitenden im jeweiligen Unternehmen haben. Innerhalb von Augsburg bauen wir so Netzwerke auf, die wir vorher noch nicht hatten. Ich lerne dabei viel über die unterschiedlichsten Unternehmen, Branchen und Behörden, die das Leben hier mitgestalten. Es wird also selten langweilig (lacht).

Auf der anderen Seite ist es auch immer wieder schön zu sehen, wie die Tandems miteinander arbeiten und was dabei entsteht: Austausch, neue Ideen und Ermutigung. Auch die Mentorinnen und Mentoren erhalten manchmal eine andere Sichtweise und neue Einblicke in das Leben und die Herausforderungen von Zugewanderten. Jedes Tandem ist einzigartig und das ist schön zu sehen.

Die Mentoring-Partnerschaft läuft sehr gut. Woran liegt das deiner Meinung? Und wo liegen denn die Grenzen des Programms?

Ganz klar an dem Engagement und Interesse der Mentorinnen und Mentoren. Sie nehmen sich viel Zeit für die jeweilige Person. Dabei begleiten wir die Tandems über die gesamte Laufzeit. Wir fragen nach, wie es läuft und geben beispielsweise Tipps für mögliche Weiterbildungen und spezielle Beratungsmöglichkeiten.

Das Interesse, als Mentee am Programm teilzunehmen, ist seit Beginn sehr hoch. Bei den Gesprächen mit den Mentees achten wir darauf, dass die Interessentinnen und Interessenten die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit mitbringen: Neben der Sprache ist ein klares Berufsziel wichtig, das zu dem Abschluss und den Berufserfahrungen im Herkunftsland passt.

Es gibt natürlich auch Grenzen und Schwierigkeiten innerhalb des Programms. Wir stellen diese immer dann besonders fest, wenn zu Beginn im Tandem nicht ausreichend über die Ziele und Inhalte gesprochen wird und wenn keine regelmäßigen Treffen stattfinden. Manchmal passiert es auch, dass dem oder der Mentee nicht klar ist, wohin die Reise gehen soll und sie dann doch einen neuen Berufsweg einschlagen möchten. Dann kann es auch sein, dass ein Tandem abgebrochen wird oder die Zusammenarbeit im Sande verläuft. Das ist natürlich schade, gehört aber dazu.

Gibt es noch etwas, das du uns sagen möchtest?

Wir freuen uns auf die nächsten 5 Jahre!