...das Team von MED-International LMU

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Aufgrund der Dynamik der Entwicklungen im Zuge der Corona-Krise, mussten Mitte März kurzfristig alle laufenden Präsenzveranstaltungen bei MED-International LMU eingestellt werden. Jedoch konnten die Kurse innerhalb kürzester Zeit im virtuellen Raum fortgesetzt werden.

„MED-International LMU“ steht für die Entwicklung und Durchführung passgenauer Angebote für medizinisches Personal mit einem ausländischen Berufsabschluss. Hier gibt es Maßnahmen, welche auf die ärztliche Anerkennungsprüfung vorbereiten oder Nachqualifizierungskurse im Bereich verschiedener Gesundheitsfachberufe. Der Kursanbieter ist am Institut für Didaktik und Ausbildungsforschung in der Medizin (DAM) am LMU Klinikum angesiedelt und wird als ein MigraNet Teilprojekt unter anderem über das Förderprogramm „Integration durch Qualifizierung (IQ)“ finanziert. Das Interview wurde mit Projektleiter Fabian Jacobs, den Kursleitungen Dr. med. dent. Martina Braun und Dr. phil. Cetty Perdichizzi sowie Projektadministrator Stefan Höne geführt.

 

Die Maßnahme am LMU Klinikum erfreut sich großer Beliebtheit. Fabian, wie lange gibt es dieses Programm in München schon und was zeichnet euch aus?

Ich habe MED-International LMU im Jahr 2015 gegründet, da wir frühzeitig erkannt haben, wie wichtig eine optimale Qualifikation internationaler Gesundheitsfachkräfte und deren Integration in das Gesundheitssystem ist. Hierbei spielt die fachliche Kompetenz eine große Rolle. Aus meiner Sicht ist ein Erfolgsgarant unserer Angebote, dass wir Teil des LMU Klinikums, eines der renommiertesten Institutionen im Gesundheitswesen, sind und somit auf ein großes Spektrum an Fachexpertise zurückgreifen können. Durch die Angliederung am DAM können wir darüber hinaus garantieren, innovative, wissenschaftlich basierte Lehr- und Lernansätze anzuwenden.

In einem der Kurse werden Ärzt*innen mit einem ausländischen Berufsabschluss auf die Kenntnisprüfung vorbereitet. Martina, was sind dabei deine konkreten Aufgaben? Wie sieht ein typischer Arbeitsalltag aus?

Im Vordergrund stehen zunächst die Planung und die Prüfung auf Realisierbarkeit der Kurse. Dabei ist das Ziel eine zeitnahe Umsetzung von Kursen, die über einen Zeitraum von ca. drei Monaten von Montag bis Freitag als Vollzeitmaßnahme stattfinden. Daraus ergeben sich wiederkehrende Zyklen: Die Entwicklung der Inhalte für den Kursplan, die entsprechende Akquise der Dozent*innen und detaillierte Absprachen mit den Lehrenden gehören dabei zu den zentralen Aspekten. Die Phase der Kursvorbereitung und die darauffolgende Kursphase sind jeweils intensiv. Die typischen Abläufe meines Arbeitsalltages unterscheiden sich je nach Phase. Die Betreuung und Beratung der Teilnehmenden sowie die Planung der Kursabläufe stehen dabei jeweils gleichermaßen im Mittelpunkt. In einer dritten Phase werden die Evaluationen und Erfahrungen aus den Kursen ausgewertet und analysiert, um stetig eine Optimierung und Anpassung an Neuerungen zu ermöglichen.

Der aktuelle Vorbereitungskurs am LMU Klinikum München musste aufgrund der Corona-Krise mit sofortiger Wirkung als Präsenzveranstaltung eingestellt werden. Ihr habt in Rekordzeit eine passende Lösung gefunden, damit die Teilnehmenden weiter unterrichtet werden können. Wie genau sieht diese Lösung aus und welche Erfahrungen konntet ihr bisher sammeln?

Ja, dieses unvorhersehbare globale Ereignis hat uns in seiner Dynamik zu kurzfristigen Anpassungen gedrängt. Umgehend habe ich mich eingehend mit verschiedenen Möglichkeiten der Fortsetzung des Kurses beschäftigt. Eine komplette Absage und daraus resultierende unvollständige Vorbereitung der Teilnehmenden war für uns keine Option.

In diesem Rahmen erschien letztlich die Nutzung des virtuellen Klassenzimmers ILIAS passend, welches uns von MigraNet beratend empfohlen und über MUT IQ zur Verfügung gestellt wurde. Insgesamt ist für virtuelle Kurse die Bereitstellung von Instrumenten zum interaktiven Austausch, die Präsentation vorbereiteter Inhalte sowie eine technisch gute Bedienbarkeit und Stabilität für alle Beteiligten wichtig. Eine wesentliche Rolle übernehmen hier auch unsere kompetenten Fachdozent*innen, wie habilitierte Mediziner*innen, renommierte Hochschullehrer*innen und medizinische Didaktiker*innen, die es uns durch ihre Offenheit und Flexibilität ermöglicht haben, den Kurs innerhalb weniger Tage im virtuellen Kursraum fortzusetzen.

Inzwischen haben wir mit der Umsetzung mehrere Wochen Erfahrung und lernen immer wieder Neues. Letztlich sehen wir die Entwicklung – trotz der Dramatik – auch als eine Chance, zukünftig unsere Angebote digital unterstützt anzubieten. Hierbei sind auch die innovativen Lehr- und Lernentwicklungen aus unserer medizinischen Fakultät hilfreich.

Der Vorbereitungskurs auf die ärztliche Kenntnisprüfung läuft sehr gut. Woran liegt das deiner Meinung? Und wo liegen die Grenzen des Kurses?

Danke, das freut uns zu hören – letztlich war es immer das erklärte Ziel, einen möglichst passgenauen Vorbereitungskurs für alle Teilnehmenden anzubieten. Denn die Herausforderung liegt in dieser Hinsicht an den unterschiedlichen sprachlichen Voraussetzungen, möglichen beruflichen Erfahrungen und eventuell abweichenden inhaltlichen Defizite der einzelnen Teilnehmenden. Das gemeinsame Ziel aller ist das erfolgreiche Bestehen der Kenntnisprüfung. Daher fördern wir – neben der Wiederholung medizinischer Inhalte – vor allem auch die interaktiven Elemente während der Kurseinheiten und regen damit zum Lernen in der Gruppe an.

Seit letztem Jahr bietet ihr ja auch Angebote für Gesundheitsfachberufe an? Cetty, welche Erfahrungen konntet ihr bisher sammeln?

Die Anpassungslehrgänge für Gesundheitsfachberufe unterscheiden sich von denen für ausländische Ärzt*innen insofern, dass wir hier enger mit der zuständigen Regierung und mit den Berufsfachschulen zusammenarbeiten, die diese Berufsgruppe normalerweise ausbilden.

Zugewanderte mit einem ausländischen Abschluss als MTRA oder als MTLA, die in Deutschland als solche arbeiten möchten, müssen (ähnlich wie bei den ausländischen Ärzt*innen) bei der Bezirksregierung einen Antrag für die Anerkennung ihres Abschlusses stellen. Der Besuch eines Anpassungslehrgangs kann hierbei fester Bestandteil des Anerkennungsverfahrens sein und ist dann keine freie Entscheidung. Das heißt, dass die Personen sich nicht bei uns um einen Kursplatz bewerben.

Unser erster Anpassungslehrgang für Medizinisch-Technische Radiologieassistent*innen (MTRA) lief zwischen September und Dezember 2019. Die Evaluationsergebnisse waren durchwegs positiv. Für alle Teilnehmenden am Anpassungslehrgang für MTRA wurde letztlich die Anerkennung befürwortet.

Für das Jahr 2020 sind weitere Kurse in Planung. Beispielsweise ein Anpassungslehrgang für Medizinisch-Technische Laboratoriumsassistent*innen (MTLA), der dann eine Premiere in Bayern darstellen würde. Die Zielgruppe wartet teilweise schon seit mehreren Jahren auf die Möglichkeit, anerkannt zu werden.

Stefan, Du kümmerst Dich um die Kommunikation mit den Teilnehmenden. Erzähle uns doch ein bisschen davon.

Die Kommunikation mit den Teilnehmenden ist eine interessante und spannende Aufgabe. Die Teilnehmenden haben durch ihre unterschiedlichen Herkunftsländer teilweise verschiedene Herangehensweisen in der schriftlichen und mündlichen Kommunikation. Die Unterstützung beim Bearbeiten verschiedener Formulare gehört auch zu meinen täglichen Aufgaben. Da wird es nicht langweilig und man muss recht flexibel sein. Auch in den Bewerbungsphasen für die verschiedenen Kurse ist man ständig in Kontakt mit den zukünftigen Teilnehmer*innen und lernt diese dadurch schon ein wenig kennen und übernimmt teilweise eine Lotsenfunktion für ganz unterschiedliche Fragestellungen.

 

Vielen Dank für das Interview!