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Projekt EiKu - Kultursensible Einarbeitung in der Altenpflege

Das Unterprojekt "EiKu - Kultursensible Einarbeitung in der Altenpflege" des Projektes "KEI - Kompetenzen für erfolgreiche Integration" entwickelte und erprobte gemeinsam mit Beschäftigten der Altenpflege ein kultursensibles Einarbeitungskonzept für Menschen mit und ohne Migrationshintergrund. Dazu kooperierte das Projekt mit der MÜNCHENSTIFT gGmbH, einem Pflegedienstleister aus München. Ziel war es, ein Konzept der kultursensiblen Einarbeitung zu entwickeln, das für den Pflege- und Gesundheitsbereich, aber auch für Unternehmen anderer Branchen und mit unterschiedlicher Größe nutzbar ist.

Elisa, erzähl uns doch kurz, seit wann du im Projekt „EiKu – Kultursensible Einarbeitung in der Altenpflege“ tätig bist und wie du überhaupt zu MigraNet, dem IQ Landesnetzwerk Bayern, gekommen bist.

Wir von der GAB München (Gesellschaft für Ausbildungsforschung und Berufsentwicklung) sind seit vielen Jahren Teil von MigraNet. Zusammen mit PerformPartner waren wir unter anderem die KomBI Laufbahnberatung mitentwickelt. Dies ist ein Kompetenzfeststellungsverfahren, das von allen IQ Teilprojekten verwendet werden kann.

Das Projekt EiKu entstand aus konkreten Fragen, die aus der Wirtschaft an uns herangetragen wurden. Die am häufigsten gestellte Frage war: Wie können Fachkräfte aus dem Ausland möglichst gut integriert werden? Für viele Unternehmen ist es schwierig, geeignete Fachkräfte zu gewinnen. Das hat ganz unterschiedliche Gründe, angefangen bei der Branche bis hin zur Lage des Arbeitsortes. Viele tun sich schwer und scheuen anfangs zurück, weil sie nicht wissen, wie sie Fachkräfte in ihren Betrieb integrieren und längerfristig binden können. Die Befürchtung, dass die Mitarbeitenden das Unternehmen bald wieder verlassen, spielt eine große Rolle. Wie man sieht, bringt eine einzige Fragestellung viele weitere Fragen mit sich. Das hat mich sehr interessiert und ich hatte das Gefühl, dass wir in der GAB geeignete Ansätze haben, mit denen wir etwas Gutes entwickeln können. Wir beschäftigen uns seit über 35 Jahren mit Fragen rund um‘s Lernen in der Arbeit und verfolgen dabei eine individualisierte Perspektive. Schließlich geht es auch im interkulturellen Kontext darum, den individuellen Menschen im Blick zu haben.

Als GAB sind wir direkt auf die Tür an Tür – Integrationsprojekte gGmbH zugegangen und im Januar 2015 fiel der Startschuss für EiKu. 2015 und 2016 haben wir gemeinsam mit dem kommunalen Altenheimträger MÜNCHENSTIFT GmbH ein kultursensibles Einarbeitungskonzept entwickelt, erprobt und optimiert. Seit 2017 geht es um den Transfer, da das Konzept nicht nur in der Altenpflege anwendbar ist, sondern auch in anderen Unternehmen und Einrichtungen. Wir beraten und unterstützen dabei.

 

Das Projekt kooperiert genauso wie CHIP – Chancen in der Pflege mit der MÜNCHENSTIFT GmbH. Gibt es hier Berührungspunkte zwischen den beiden Teilprojekten von MigraNet?

Es gab keine direkten Berührungspunkte. Wir als Projekt EiKu haben bis 2016 mit der MÜNCHENSTIFT GmbH kooperiert. CHIP hat danach angefangen und setzt an einer anderen Fragestellung an.

 

Innerhalb des Projekts wurden zwei Publikationen erstellt: Der Werkzeugkoffer: Passgenaue Einarbeitung und der Comic: Sich verstehen und wirksam lernen in der Einarbeitung. Kannst du uns mehr darüber erzählen?

Fangen wir mit dem Werkzeugkoffer an. Dieser richtet sich an Einrichtungen aus dem Gesundheitswesen, aber auch an Unternehmen aus der Wirtschaft, die sich mit dem Thema Einarbeitung auseinandersetzen. Er zeigt auf, wie man eine passgenaue Einarbeitung entwickeln kann. Dabei betrachten wir zwei Seiten:

Die Unternehmensseite: Welche Aufgaben kommen auf die neuen Mitarbeitenden zu und was brauchen sie, damit diese gut erfüllt werden können? Dabei kann es sich um fachliche Inhalte handeln, um ein Wissen darüber, wie sich das soziale Miteinander gestaltet oder wie der Prozess der Einarbeitung aussieht.

Die Seite des Mitarbeitenden selbst: Jeder neue Mitarbeitende bringt Vorerfahrungen mit, diese sollten im Prozess der Einarbeitung berücksichtigt werden. Warum? Weil dies gegenüber dem neuen Mitarbeitenden wertschätzend ist – jeder möchte gerne die Möglichkeit erhalten zu zeigen, was er oder sie bereits kann. Auch auf Unternehmensseite bringt dies Vorteile mit sich, weil die Einarbeitung so effektiver stattfinden kann. Es kann punktgenau auf die Stellen eingegangen werden, an denen es noch an Wissen und Können fehlt. Und: Durch den systematischen Einbezug der Vorerfahrungen und Reflexion werden frühzeitig Stellen aufgedeckt, die für Irritationen sorgen und somit kann Konflikten vorgebeugt werden.

Der Comic war im Gegensatz zum Werkzeugkoffer nicht geplant. Mir ist aber im interkulturellen Zusammenhang immer wieder aufgefallen, dass die appelative moralische Ebene stark betont wird. Meiner Meinung nach ist es schwierig, mit erhobenem Zeigefinger zu belehren, auch wenn es inhaltlich korrekt sein mag. Daher haben wir uns die Frage gestellt: Auf welchem anderen Weg könnten Themen angesprochen werden, die für das gegenseitige Verständnis im interkulturellen Zusammenhang relevant sind. So entstand die Idee für einen Comic.

 

Beide Publikationen kommen bei der Zielgruppe sehr gut an und wurden vom IQ Netzwerk als Good Practice ausgezeichnet. Worin liegt deiner Meinung nach der Erfolg?

Das ist eine gute Frage... Ich vermute an unserem Fokus und wie wir mit den Menschen arbeiten. Wir arbeiten viel mit Unternehmen im Bereich der Erwachsenenbildung zusammen und vertreten unsere Meinung, aber belehren nicht. Wir begleiten und motivieren dabei. Es ist doch letztendlich so: Die Moral zielt auf ein Defizit des Gegenübers ab und bestärkt nicht immer darin, etwas zu verändern. Wir wollen Menschen und Unternehmen unterstützen, kleine und auch größere Schritte zu gehen. Dabei hilft, die Situation in der sie sich befinden wertzuschätzen und an vorhandenen Ressourcen anzuknüpfen um gemeinsam Wege zu entwickeln, wie eine Veränderung konkret aussehen kann.

Mit dem Werkzeugkoffer haben wir versucht, ganz konkret zu werden und zu zeigen: Das sind Ansatzpunkte die für eine gute Einarbeitung wichtig sind, sodass der oder die neue Mitarbeitende die Aufgaben verantwortungsvoll übernehmen kann und letztendlich längerfristig im Unternehmen bleiben möchte. Es geht darum, einen Weg zu finden, der für die eigene Organisation machbar ist. Während in einem Unternehmen eine dicke Einarbeitungsmappe und ein detailreicher Einarbeitungsprozess das passende sind, ist in einer kleinen Einrichtung schon viel geschehen, wenn bestimmte Fragen zusammengestellt und darüber gesprochen werden kann.

Der Werkzeugkoffer und der Comic geben konkrete Handlungsempfehlungen, wie Orientierung, Systematik und Verständigung im Einarbeitungsprozess gestaltet werden können. Die neuen Kolleginnen und Kollegen erhalten somit die Möglichkeit, ihr Wissen und Können frühzeitig einzubringen. Das fördert die Motivation, ist wertschätzend und integrierend.

 

Wie sieht ein typischer Arbeitsalltag im Bereich EiKu von dir aus?

Mein Arbeitsalltag besteht darin, das Einarbeitungskonzept in unterschiedlichen Zusammenhängen vorzustellen, zu diskutieren, darüber zu schreiben und auf all die Fragen rund um das Thema Einarbeitung einzugehen. Auch Beratungen innerhalb des IQ Netzwerks zählen dazu. Kolleginnen und Kollegen kommen direkt auf mich zu, wenn diese beispielsweise einen Prozess im Bereich Interkulturelle Öffnung in einem Unternehmen begleiten – hier teilen wir dann unsere Erfahrungen und unterstützen so gut es geht. Mein Ziel ist es, das Einarbeitungskonzept weiter bekannt zu machen. Für die Zukunft planen wir eine Qualifizierungsreihe für Einrichtungen anzubieten, die eine passgenaue kultursensible Einarbeitung aufbauen möchten.

 

Gibt es noch etwas, das du uns sagen möchtest?

Es lohnt sich, in eine passgenaue Einarbeitung zu investieren, auch wenn es am Anfang immer mit Aufwand verbunden ist. Denn letztendlich profitieren alle von den Vorteilen: Besseres Ankommen, kürzere Einarbeitungszeiten, Sicherung der Qualitätsstandards und eine geringere Fluktuation.