Constanze Jochemko hat als Studentin der Erziehungswissenschaft mit der Vertiefungsrichtung Erwachsenen- und Weiterbildung an der Universität Augsburg für ihre Bachelorarbeit die Lernprozesse von Mentorinnen und Mentoren der Mentoring-Partnerschaft von Tür an Tür / MigraNet unter die Lupe genommen. Für ihre Arbeit „Lernen im Rahmen von Mentoring-Partnerschaften aus Mentorenperspektive: Eine Evaluation transformativer Lernprozesse des Mentorenprogramms der Tür an Tür - Integrationsprojekte gGmbH" interviewte sie vier Mentorinnen und Mentoren, die im 2. und 3. Durchgang der Mentoring-Partnerschaft in Augsburg einen Mentee begleitet haben. Die einstündigen Interviews wurden mittels eines Interviewleitfadens durchgeführt.

Ein Mentor, der selbst viele Jahre in der Personalabteilung für Neueinstellungen zuständig war, hat die Rekrutierungsstrategien deutscher Unternehmen reflektiert. Durch die Arbeit mit seiner hochqualifizierten Mentee ist ihm klar geworden, dass bei gängigen Rekrutierungsstrategien viele gute und motivierte Bewerber aus dem Ausland durch das Raster fallen. Eine andere Mentorin, selbst in einer Führungsposition tätig, hat durch die Erfahrungen ihrer Mentee mit Bewerbungen und deren erste Erfahrungen in einem deutschen Betrieb das Bewerbungsverfahren und ihren eigenen Führungsstil überdacht und angepasst. Beim Bewerbungsverfahren honorieren sie und ihre Mitarbeiter jetzt stärker die besonderen Fähigkeiten, die ausländische Bewerberinnen und Bewerber mitbringen, und berücksichtigen, ob diese Fähigkeiten eventuelle Schwächen, beispielsweise bei den Deutschkenntnissen, aufwiegen. Diese Änderung hat bereits zu zwei Neuanstellungen geführt, die vor der Teilnahme der Mentorin am Mentoring-Programm wohl durch das Raster gefallen wären.

Die Mentorinnen und Mentoren haben erfahren, auf welche Hürden qualifizierte Menschen mit Migrationshintergrund auf dem deutschen Arbeitsmarkt treffen. Dies sind unter anderem Schwierigkeiten bei der Anerkennung des Berufs- oder Studienabschlusses aus dem Ausland oder Arbeitsstellen mit schlechten Arbeitsbedingungen (geringer Lohn, keine Krankheitstage). Insgesamt erlebten die Mentorinnen und Mentoren hautnah mit, wie schwer es für Akademikerinnen und Akademiker aus dem Ausland ist, trotz guter Abschlüsse und Berufserfahrung in Deutschland im angestammten Bereich Fuß zu fassen.

Durch die Zusammenarbeit im Tandem haben die Mentorinnen und Mentoren gelernt, welche Vorgehensweise bei der Begleitung und Beratung von Mentees funktioniert und welche hingegen hinderlich sein kann. Als wichtig wurde eine Kommunikation „auf Augenhöhe“ benannt, sowie eine persönliche Beziehung zum Mentee als Voraussetzung für einen fachlichen Austausch und eine vertrauensvolle Atmosphäre, in der Tipps und Ratschläge angenommen werden können. Auch das Abklären von Erwartungen auf beiden Seiten und das Setzen von Grenzen in Bezug auf Hilfe und Beratung nannten Mentorinnen und Mentoren als grundlegende Basis für eine gute Zusammenarbeit im Tandem.

Fazit: Die befragten Mentorinnen und Mentoren sehen die Mentoring-Partnerschaft als Weiterentwicklungsmöglichkeit an, wenn bei den Mentoren Offenheit und Wille zur Selbstreflexion besteht. Sie selbst haben in den Interviews bestätigt, dass sie durch das Programm etwas gelernt und Beratungs- und Führungskompetenzen weiterentwickelt haben.