Freitag, 8. Juli 2016 im Rathaus der Stadt Nürnberg

Flüchtlinge im Betrieb  - Unterstützungsangebote zur Beschäftigung von Flüchtlingen in kleinen und mittleren fränkischen Unternehmen

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Das Projekt Enter → arbeitet eng mit den Akteuren und Einrichtungen der Arbeitsmarktintegration zusammen und hatte für die Auftaktveranstaltung  die zuständigen Kontaktpersonen in Nürnberg eingeladen. Die Auftaktveranstaltung bot interessierten Betrieben sowie haupt- und ehrenamtlichen Akteuren einen Überblick über die Rahmenbedingungen, die Prozesskette und die Unterstützungsangebote für Betriebe, die Flüchtlinge beschäftigen wollen.

Gastgeber war die Stadt Nürnberg mit Dr. Uli Glaser, CSR Netzwerk „Nürnberger Unternehmen in sozialer Verantwortung“.

Dr. Ulrich Maly, Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg

In seinem Grußwort verwies Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly auf die große Bedeutung von  Ausbildung und Arbeit für die Integration für Neuzugewanderte. Der Mittelstand nehme mit seiner Integrationskraft hier eine besondere Rolle ein. Bund und Länder hätten mittlerweile eine Vielzahl an Unterstützungsangeboten für die Arbeitsmarktintegration geschaffen, nun komme es darauf an, wie die Institutionen sich über die oft verschiedenen Rechtskreise hinweg verständigten. Zudem sei es zwingend notwendig, sich bei der Feststellung von Qualifikationen von der starken Zertifikatsorientierung zu lösen und verstärkt auch Talente und Kompetenzen in den Blick zu nehmen.


Stephan Schiele, Leiter von  MigraNet-IQ Landesnetzwerks Bayern

Stephan Schieles Vortrag informiert mit Zahlen, Fakten und Erfahrungen zum Thema „Beschäftigung von Flüchtlingen im Betrieb“.


Marion Bradl, Projektleiterin, AAU e.V./ Projekt Enter → Integration von Flüchtlingen in der Wirtschaft am Beispiel der Metropolregion Nürnberg

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Marion Bradl stellt Hintergründe und Ziele des Projekts vor und erklärt, warum es sich für Betriebe lohnt, Enter zu kontaktieren. Das Projekt kooperiert mit Betrieben jedweder Branche, die offen sind für die Einstellung und Beschäftigung von Flüchtlingen und die Unterstützung bei der Vermittlung und/oder bei  rechtlichen und bürokratischen Fragen suchen.  In jedem Fall aber mit Betrieben, für die eine offene Unternehmenskultur ein Wert und ein gutes Betriebsklima Chefsache ist.


Ulrich Ziegenthaler, Leiter des Amtes für Berufliche Schulen der Stadt Nürnberg

Die Berufsschulen sind mit die erste Anlaufstelle für die jungen Flüchtlinge, die nicht mehr der allgemeinbildenden Schulpflicht (Mittel- oder Grundschulalter) unterliegen. Herr Ziegenthaler sieht Sprachförderung als große Herausforderung, da Sprache der Schlüssel für Integration und den Einstieg in das Berufsleben ist.  Hierfür wurden Lehrer spezifisch ausgebildet, um die sogenannten Berufsintegrationsklassen in einer zweijährigen Berufskompetenz-Modul-Ausbildung kompetent zu schulen. Ebenso will Ulrich Ziegenthaler mit seinem Kollegium den Geflüchteten die Werthaltigkeit des dualen Bildungssystems vermitteln, sieht aber auch die Notwendigkeit, flexibler zu agieren.


Zdenka König, Beraterin, Zentrale Servicestelle zur Erschließung ausländischer Qualifikationen in der Metropolregion Nürnberg / ZAQ

Das ZAQ berät seit 2012 über die Wege zur Anerkennung jedweder im Ausland erworbener Zeugnisse, Qualifikationen und Teilqualifikationen. Die Beratung ist kostenfrei.  Seit Herbst 2015 berät  das ZAQ verstärkt viele Flüchtlinge und kann hier auch weiterleiten zu  Sprachkursen und den Kammern  -  immer mit Blick darauf, die Menschen in adäquate Arbeitsverhältnisse zu bringen, denn - so erzählt Zdenka König -  dies sei mit der dringendste Wunsch der Geflüchteten.


Rainer Aliochin, COO vom AAU e.V.

Der AAU e.V. ist eine Migranten Organisation, bei der zahlreiche Projekte zur Arbeitsmarktintegration angesiedelt sind - so das “BLEIB“ Projekt, die Qualifizierungsberatung „AQua“, die Existenzgründungsberatung „Xenex“ und der „Unternehmenscoach“. Der AAU e.V. führt zudem zertifizierte Kurse für sogenannte „Welcome Berater“ durch. Rainer Aliochin stellt hier Projekte des AAU e.V. vor, die für Betriebe, die sich für Flüchtlinge öffnen wollen, interessant sind.


Christina Haupt, Vermittlungsfachkraft Migration, Agentur für Arbeit Nürnberg und Dr. Ulrich Gawellek, Geschäftsführer, Jobcenter Nürnberg-Stadt

Sowohl die Arbeitsagentur als auch das Jobcenter haben eigene Teams installiert („Kompetenzteam Migration“ bzw.  „Team Flucht“), deren Mitarbeiter*innen  auf die spezifischen Fragestellungen aller neu zugewanderten Menschen vorbereitet sind. Die Agentur für Arbeit ist hier gesetzt für Menschen mit laufender Asylbewerbung oder einem sogenannten Duldungsstatus. Das Jobcenter ist zuständig für Menschen mit anerkanntem Aufenthaltsstatus.

Zugleich unterstützen und beraten die Teams Betriebe, die Flüchtlinge beschäftigen wollen - bei der Personalsuche, bei der Einstellung und bei rechtlichen und bürokratischen Fragen: so beim Thema Spracherwerb, Anerkennung ausländischer Qualifikationen, Beantragung von Arbeitserlaubnissen,  Beantragung des Eingliederungszuschusses  oder  Einstiegsqualifizierungsmaßnahmen (die Altersfrist hier wurde in Nürnberg von 25 auf 35 Jahre hochgesetzt). Primäres Ziel ist, so die beiden Vertreter der Vermittlungsinstitutionen, jeweils die höchstmögliche Qualifikation zu vermitteln. Dies sei wichtig für eine nachhaltige Integration und die Stabilität im Berufsleben.


Yvonne Wetsch,  Willkommenslotsin, IHK  Nürnberg für Mittelfranken und Koordinatorin, Allianz pro Fachkräfte und Florian Schromm, Flüchtlingskoordinator, Handwerkskammer Nürnberg für Mittelfranken

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IHK und HWK engagieren sich auf vielfältige Weise zum Thema Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen. Wichtige Initiative der IHK war die Gründung des bundesweiten Netzwerks "Unternehmen integrieren Flüchtlinge", eine hilfreiche Austauschplattform mit vielen Praxisbeispielen und Informationen für interessierte Betriebe.

Die HWK plant aktuell ebenfalls eine Onlineplattform für mittelfränkische Betriebe zu dem Thema. Die Kammern sind beide Mitglied im „Integrationspakt Bayern“ und arbeiten eng mit anderen Behörden und Institutionen, so zum Beispiel mit den Berufsschulen, zusammen.

Ebenfalls haben beide Kammern „ Willkommenslotsinnen“ für die Betriebe und „Kümmerer“ für die Akquise von Flüchtlingen auf Arbeitssuche eingestellt, um das Matching von beiden Seiten gut zu unterstützen.


Best Practice Beispiel aus fränkischen Betrieben – Röhlich GmbH

Martin Röhlich ist Geschäftsführer des 1971 gegründeten Fliesenverlegebetriebs Röhlich GmbH mit Sitz in Wendelstein. Die Röhlich GmbH beschäftigt 190 Fliesen- und Natursteinleger aus 14 Nationen, 15 Auszubildende sowie 30 kaufmännische Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Seit knapp 2 Jahren beschäftigt Martin Röhlich auch Flüchtlinge im Betrieb. Was die Integration von Flüchtlingen angeht ist Martin Röhlich ein  Mensch mit hoher sozialer Verantwortung - so ist er  unter anderem im Asylhelferkreis Wendelstein aktiv.

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Best Practice Beispiel aus fränkischen Betrieben – Stuck Stöcker GmbH

Hans-Jörg Stöcker ist Geschäftsführer des traditionsreichen, familiengeführten Bau- und Sanierungsunternehmens Stuck Stöcker GmbH mit Sitz in Nürnberg mit rund 100 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Hans-Jörg Stöcker ist  ein Pionier bei der  Integration von Flüchtlingen im Arbeitsmarkt, denn er beschäftigt bereits seit 2008 Flüchtlinge in seinem Betrieb. Diese arbeiten bei ihm als Maurer, Stuckateur und Trockenbauer oder sind Auszubildende.